[Geizige Menschen: "Sie lud mich zum Essen ein. Es gab Leitungswasser und einen Apfel" | ZEIT ONLINE](https://www.zeit.de/geld/2024-11/geizige-menschen-umgang-freundschaft-beziehung-geld) 

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Sind andere knauserig, fühlen sich Freunde und Familie oft abgewertet. Zehn Geiz-Geschichten aus unserer Leserschaft – und fünf Ratschläge, damit besser umzugehen

Aktualisiert am 31. Dezember 2024, 6:42 Uhr

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Das Problem mit knauserigen Menschen ist nicht, dass sie ihr Geld nicht gerne ausgeben. Denn natürlich darf jeder prassen (oder eben nicht), wie er oder sie das will. Das Problem mit knauserigen Menschen sind nicht einmal sie selbst. Es sind ihre Gegenüber. Gemeinsam Schönes erleben, Feste feiern, kleine und große Geschenke – all das drückt Wertschätzung in Freundschaften und auch in der Familie aus. Diejenigen jedoch, die dabei sparen, verursachen bei Freunden und Familie häufig das Gefühl: Mehr bist du mir nicht wert.

Stärker wird der Eindruck noch, wenn der Sparsame eigentlich gar nicht sparsam sein müsste. Das fängt im Kleinen an, wie bei Andrea Freitag, die sagt: "Meine Nachbarin zum Beispiel schenkt mir zu Weihnachten oder Geburtstagen regelmäßig etwas, das sie nicht mehr braucht und nicht selbst entsorgen möchte." Ein Buch mit Putztipps aus den 1950er-Jahren zum Beispiel, aus dem beim Auspacken tote Larven rieseln.  

Der Geiz der anderen kann aber auch lebensverändernde Folgen haben, wie bei Juliane Stiegele, die nicht nur eine gute Freundschaft beendet, sondern sich durch den Geiz ihrer Freundin zu einem letzten, übertriebenen Geschenk hinreißen ließ. Sie spendierte ihr und ihrem Mann einen Gutschein für einen dreitägigen Aufenthalt in einem italienischen Luxushotel. "Gerade ihr gegenüber wollte ich großzügig sein", sagt Stiegele. 

> Beziehungen oder Freundschaften mit jemandem zu führen, dem jeder Euro zu schade ist, kann sehr anstrengend sein.

Eva Wlodarek, Psychologin

Das sind nur zwei der Geschichten über Geiz, die die Leserinnen und Leser von ZEIT ONLINE uns berichtet haben. Einige wollen anonym bleiben, um ihre Beziehungen und Freundschaften nicht zu gefährden. Aber allen ist gemein: Sie fühlten sich durch die Sparsamkeit anderer gekränkt und abgewertet. Ein billiges Geschenk oder eine Einladung, die nicht wirklich eine ist, werden zur schmerzhaften Zurückweisung. "Beziehungen oder Freundschaften mit jemandem zu führen, dem jeder Euro zu schade ist, kann sehr anstrengend sein", sagt die Psychologin und selbstständige Coachin Eva Wlodarek. Vor allem, wenn man selbst gerne gibt und sehr großzügig ist, wird die Beziehung zu geizigen Menschen herausfordernd.

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"Als ich das geschenkte Buch durchblätterte, fielen tote Larven raus"

"Mit Geiz kann ich nur schlecht umgehen. Er hinterlässt in mir ein schlechtes Gefühl. Wenn ich etwa Verlegenheitsgeschenke bekomme, belastet es meine Beziehung oder Freundschaft eher, als dass es mir eine Freude bereitet. Meine Nachbarin zum Beispiel schenkt mir zu Weihnachten oder Geburtstagen regelmäßig etwas, das sie nicht mehr braucht und nicht selbst entsorgen möchte.   
Zuletzt war das ein Buch mit Reinigungstipps aus den Fünfzigerjahren, es stammte aus dem Nachlass ihrer Mutter. Im Buch ging es darum, wie man Flecken gut entfernen kann. Das Geschenk war auch wunderschön verpackt. Es hätte vom Juwelier sein können. Doch als ich es ausgepackt hatte und durchblätterte, fielen jede Menge tote Larven heraus.   
Das Buch habe ich ihr damals zurückgegeben. Sie hat es dann direkt weggeschmissen. Doch ich bekomme trotzdem immer wieder solche Geschenke von ihr, die ich annehme und selbst entsorge. Von ihr verschenkte Kleider bringe ich zum Beispiel zur Kleiderkammer. Ansprechen kann ich das nicht, weil ich nicht möchte, dass sich unsere nachbarschaftliche Beziehung verschlechtert. Ich versuche es einfach zu akzeptieren, um den Frieden nicht zu stören."

"Mein Partner zückt im Supermarkt den Taschenrechner" 

"Mein Partner ist in manchen Situationen geizig. Zum Beispiel, wenn er den Taschenrechner zückt, um im Supermarkt auszurechnen, welcher Käse pro Kilogramm günstiger ist. Manchmal finde ich seinen Geiz lustig, manchmal stört er mich aber auch. Zum Beispiel waren wir eine Woche bei meiner Schwester und ihrem Partner zu Besuch. Sie haben an fünf Abenden für uns gekocht. Für mich war es also selbstverständlich, dass wir zahlen, wenn wir mal Essen gehen. Auch, weil meine Schwester und ihr Partner weniger Geld haben als wir. Mein Partner aber hat einfach abgewartet und nicht angeboten, für alle zu zahlen. Mir ist das meiner Schwester und meinem Schwager gegenüber peinlich.   
Weil ich weniger verdiene als er, zahle ich auch weniger auf unser Gemeinschaftskonto ein, deshalb kann ich jetzt nicht so leicht sagen, "wir zahlen das". Ich habe dann trotzdem einfach auf dem Weg zur Toilette für alle bezahlt – von meinem eigenen Konto. Manchmal denke ich, ich müsste das offener thematisieren, statt es auf meine Kosten auszugleichen. Zum einen, weil es langfristig finanziell für mich sicher nicht gut ist. Zum anderen, weil ich möchte, dass unsere Kinder Großzügigkeit lernen und nicht Geiz." 

"Er hat bei jedem Treffen im Restaurant mit Gutscheinheften bezahlt" 

"Vor einigen Jahre lernte ich einen Mann über eine Dating-App kennen. Wir trafen uns einige Male zum Essen. Er war Ingenieur und erzählte mir immer wieder stolz, wie wenig er für sein überdurchschnittliches Gehalt leisten müsse. Er besaß ein großes Haus und vermietete einzelne Zimmer teuer weiter. Außerdem machte er gerne Fernreisen dorthin, wo die Armut groß ist. Gleichzeitig suchte er zuverlässig Restaurants aus, wo er mit Gutscheinheften zahlen konnte. Ich fand das peinlich.   
Für jemanden wie mich, die zu dem Zeitpunkt wirklich wenig verdiente, dafür hart arbeiten musste, aber dennoch für Gutes auch gern bezahlte und dazu noch regelmäßig für soziale Projekte oder Katastrophenhilfe spendete, war das unangenehm und nicht nachvollziehbar. Warum die Zimmer nicht für weniger Geld untervermieten? Warum nicht etwas von seinem üppigen Wohlstand uneigennützig teilen? Ich sprach ihn mal darauf an, warum er nicht in humanitäre Hilfsprojekte investiere in den Ländern, die er bereiste. Seine Antwort war, das würde ja das dortige Gleichgewicht stören. Zu helfen oder sich zu engagieren, lag ihm völlig fern.    
Auf seinen Geiz habe ich ihn nicht direkt angesprochen. Vielleicht habe ich den Konflikt gescheut. Irgendwie denke ich, dass man jemand anderem nicht sagen kann, was er mit seinem Geld machen soll. Ich habe ihm aber meine Position mitgeteilt und die Verbindung ohne Groll gelöst. Trotzdem habe ich noch lange über seinen Geiz nachgedacht." 

"Das schlimmste Geschenk war ein 3D-Kalender. Ich kann nicht räumlich sehen"

"Ich habe als Kind von meiner Oma einen 3D-Jahreskalender zu Weihnachten bekommen. Kalender sind sowieso eher ein Geschenk der Einfallslosen. Nur bin ich auch auf einem Auge blind. Räumliches Sehen fällt mir daher schwer. Ich habe damals nicht verstanden, wie sie so ignorant sein kann. Der Kalender war zudem ein Werbegeschenk. Meine Oma ist keineswegs arm. Trotzdem gab es von ihr nur die billigsten Geschenke. Das wusste jeder, und es war schon amüsant, wie man sich darauf verlassen konnte, garantiert nichts zu bekommen, was man irgendwie haben wollte oder gebrauchen konnte. Hauptsache, sie hatte was verschenkt, darum ging es ihr. Ich habe sie irgendwann gebeten, mir in Zukunft einfach nichts mehr zu schenken. Das war weniger ärgerlich für mich. Erst sehr viel später habe ich verstanden, dass sie gerecht sein wollte. Jede sollte etwas bekommen, aber viel Geld dafür ausgeben wollte sie eben nicht."  

"Sie wollten keine Brötchen mitbringen, weil sie bei uns zu Gast waren" 

"Freunde von uns haben auf der Durchreise ein paar Hundert Meter von unserer Wohnung entfernt gecampt. Wir beschlossen gemeinsam, am nächsten Tag bei uns zu frühstücken. Weil ihr Wohnmobil direkt neben dem Bäcker stand, habe ich gefragt, ob sie Brötchen mitbringen können. Ihre Antwort: "Nein, wir sind Gäste bei euch." Erst dachte ich, dass es ein Witz sein sollte, aber es war keiner. Wir haben dann selbst Brötchen gekauft.   
Eigentlich fand ich das nicht schlimm, aber es fühlte sich dadurch nicht mehr wie ein Besuch von Freunden an. Sondern so, als würden sie nur eine möglichst günstige Duschmöglichkeit suchen. Mich stört Geiz gegenüber anderen Menschen, wenn man eigentlich finanziell kein Problem hätte, die fünf Euro für die Brötchen zu bezahlen. Die Erfahrung passt allerdings zu unserem Bild von ihnen: Sie erzählen gerne, wo sie noch den letzten Pfennig sparen. Für mich ist das kein Grund, eine Freundschaft zu beenden. Aber vielleicht führt es dazu, dass man sie weniger oft zu sich einlädt."  

"Als ich endlich mal eingeladen wurde, gab es Leitungswasser und einen Apfel" 

"Eine Kollegin und ehemalige Freundin von mir war sehr geizig. Als ich nach vielen Essenseinladungen bei mir im Gegenzug endlich bei ihr eingeladen war, gab es Leitungswasser und einen in sehr dünne Scheiben geschnittenen Apfel. Den sie ästhetisch auf einem Teller drapiert hatte. Als der Apfel aufgegessen war, gab es keinen zweiten.   An Geldnot litt sie eigentlich nicht, zumindest plante sie damals, ein Haus zu kaufen. Somit war dieses Erlebnis für mich das Ende unserer Bekanntschaft, ich wollte sie privat nicht mehr treffen. Ich überlegte, wie ich das Auseinandergehen würdig gestalten könnte und schenkte meiner Kollegin und ihrem Mann einen Gutschein für einen dreitägigen Aufenthalt in einem italienischen Luxushotel. Gerade ihr gegenüber wollte ich großzügig sein.   
Für mich sind geizige Menschen schwer zu ertragen. Meine Großmutter hat mir schon als Kind beigebracht, "nirgends mit leeren Händen hinzugehen". Mir macht es bis heute Spaß, mir etwas einfallen zu lassen, was dem Menschen, den ich besuchen will, Freude machen könnte. Mit denen, die das ähnlich sehen, pflege ich inzwischen jahrzehntelange Freundschaften. Ich vermute, dass Geiz mit einer inneren Armut einhergeht. Mit einem Mangel an Genussfähigkeit. Das distanziert." 

"Mein Vater schläft mit 80 Jahren lieber am Flughafen, als sich für 30 Euro ein Zimmer zu nehmen" 

"Mein Vater redet viel über Geld und wie er es sparen kann. Seit fast 25 Jahren lebt er auch in Südamerika. Er reist daher ständig. Und wenn er mal irgendwo strandet, schläft er selbst mit 80 Jahren lieber auf dem Boden am Flughafen, anstatt sich dort für 30 Euro ein Zimmer zu nehmen. Früher ist er etwa auch große Umwege über Brasilien nach Chile geflogen, weil es billiger war.   
Eine Situation war für mich so schlimm, dass ich über Jahre den Kontakt zu ihm abgebrochen hatte. Ich war damals Anfang 40, mein Vater war mit seiner damaligen Lebensgefährtin nach Chile ausgewandert, er besaß dort ein Haus und hatte sich ein Leben aufgebaut. Finanziell ging es ihm so gut, dass er zwei weitere Wohnungen kaufte. Eine davon, so versprach er zunächst, wollte er mir schenken. Dafür sollte ich nach Chile kommen, um den Papierkram zu erledigen. Das tat ich, aber aus dem Geschenk wurde nichts: Er kaufte zwar die Wohnungen, doch besagtes Geschenk wollte er mir nur überlassen, wenn ich ihm monatlich 500 Euro überweise. Indem ich zum Beispiel dafür sorgte, dass die Wohnung eben zu diesem Preis im Monat vermietet ist. Beides war für mich finanziell und organisatorisch damals nicht zu stemmen.    
Wir hatten dann ein paar Wochen später in Deutschland ein klärendes Gespräch, bei dem wir uns heftig stritten. Ich warf ihm vor, geizig zu sein und brach schließlich den Kontakt zu meinem Vater ab. Erst Jahre später näherten wir uns an, allerdings ohne uns jemals auszusprechen über das, was passiert war. Auch weil ich erkannte, dass er nur so geizig mit Geld umging, weil er unter schlimmen Bedingungen nach dem Zweiten Weltkrieg aufwuchs. Er wuchs in Armut auf und musste oft hungern." 

"Sie hat eine halb leere Flasche Aperol und eine Orange zurückgefordert"

"Eine Freundin von mir wohnt noch bei ihren Eltern, obwohl sie sich problemlos eine eigene Mietwohnung leisten könnte. Wir kennen uns über die Arbeit, und sie hat ein überdurchschnittlich hohes Gehalt, von dem andere eine ganze Familie ernähren können. Ihr Ziel ist, irgendwann Wohneigentum zu kaufen. Wir gehen beide gerne aus, und ich habe ihr immer mal wieder einen Drink ausgegeben oder sie zu mir nach Hause eingeladen, wie man das unter Freunden mit Anfang 30 halt so macht. Von ihr wurde ich nie eingeladen.    
Einen Schlüsselmoment hatte ich letztes Jahr, als sie zu ihrer Beförderung eine Party geben wollte und ein befreundetes Pärchen überredet hat, diese in deren Wohnung schmeißen zu dürfen. Obwohl das befreundete Pärchen die Wohnung und sogar Lebensmittel bereitgestellt haben, hat sie sich im Anschluss an die Party über das angebotene Essen beschwert. Und dann von ihnen gefordert, eine halb leere Aperol-Flasche und eine Orange zurückzugeben, da sie diese bezahlt hätte. Die wenigen Lebensmittel, die von der Freundin mitgebracht, nicht verzehrt und im Kühlschrank gelassen wurden, hat sie dem Pärchen anschließend noch in Rechnung gestellt.    
Die Sache mit der Party hat mich nicht direkt betroffen, trotzdem habe ich meine Freundin auf ihr Verhalten angesprochen. Sie hat den Vorwurf des Geizigseins weit von sich gewiesen. Es war der Anfang vom Ende, ich habe die Freundschaft auslaufen lassen. Jemand, der nur auf den eigenen Profit bedacht ist und nicht auf das soziale Miteinander, möchte ich nicht zu meinen Freundinnen zählen."  

"Ein Freund hat unser Trinkgeld einfach wieder rausgenommen" 

"Vor 20 Jahren bin ich nach Baden-Württemberg gezogen. Mir ist schnell aufgefallen, dass die Schwaben einen anderen Bezug zu Geld haben als ich. Sie reden oft davon, wie man noch ein paar Cent sparen kann. Besonders häufig kommt das von Menschen, die eigentlich genug Geld haben. Mit dieser Dipfelescheißerei – so nennt man das hier – kann ich noch immer nicht gut umgehen. Mittlerweile habe ich fast nur Freunde, die einen entspannteren Umgang mit Geld haben, viele davon sind Zugezogene.   
Vor ein paar Jahren waren mein Partner und ich mit einem befreundeten Paar beim Inder. Nach dem Essen kam eine große Holzbox zum Bezahlen. Ich hätte gedacht, jeder gibt etwas dazu, aber sie wollten es genau ausrechnen. Also habe ich unseren Anteil reingelegt, zusammen mit einem ordentlichen Trinkgeld. Der Mann, ein Schwabe aus Balingen, nahm daraufhin den Großteil des Trinkgeldes wieder raus und steckte es ein. Er sagte mehr zu sich selbst: "So toll war es auch nicht." Niemand am Tisch hat etwas gesagt, aber ich habe mich geschämt. Wir haben den Kontakt danach einschlafen lassen."  

"Beim Kaffeetrinken gab es für jeden genau einen Keks" 

"Für mich ist Gastfreundschaft wichtig, ich tische gerne auf und möchte, dass es Menschen bei mir gut geht. Deshalb haben wir ein befreundetes Paar regelmäßig bei uns zum Essen eingeladen. Einmal haben auch wir eine Einladung zum Kaffee bekommen, dort gab es genau einen Keks für jeden von uns. Das war alles, was sie uns angeboten haben. Ich habe dann zum nächsten Kaffeetrinken einen Kuchen mitgebracht und dachte, damit wäre das Problem gelöst. Doch die beiden haben den Kuchen einfach in die Küche gestellt und uns nicht angeboten.   
Wenn man geizig ist, nehme ich das persönlich, weil es mir das Gefühl vermittelt, dass man nicht wirklich willkommen ist. Mir geht es nicht um großes finanzielles Engagement, sondern darum, dass sich die andere Seite freut und zumindest ein bisschen Mühe gibt.   
Eine Zeit lang hat mich dieses Verhalten so gestört, dass ich mich nicht mehr mit den beiden treffen wollte. Zumal es Freunde sind, die genügend Geld haben und sich selbst auch viel gönnen. Nur wenn es ums Teilen geht, werden sie sehr zurückhaltend. Mein Partner ist dann ohne mich gegangen. Mittlerweile versuche ich, Situationen zu vermeiden, wo unsere unterschiedliche Vorstellung von Gastfreundschaft zum Tragen kommt. Wenn wir uns treffen, dann in einem Café oder Restaurant. Da bestellt jeder, was er sich leisten möchte, und am Ende zahlen wir getrennt." 

Weil sich geizige Menschen nicht über Nacht in spendable verwandeln, müssen ihre Gegenüber lernen, damit umzugehen. Für manche, wie Helge Rehfeld, ist der Bruch der einzige Ausweg, sich vom geizigen Vater zu lösen, andere tolerieren das Verhalten, werden aber selbst zumindest selektiv auch geiziger. Eva Wlodarek hat sich in ihrem Buch _Die Kraft der Wertschätzung_ auch mit den Folgen des Geizes beschäftigt. Sie weiß, wie man einen guten Umgang mit geizigen Menschen findet. Und sie weiß auch, ein Kontaktabbruch muss nicht immer sein. Wem die andere Person wichtig ist, weil sie trotz ihres Geizes eben auch liebenswerte Eigenschaften hat, der könne zum Beispiel mit den richtigen Worten und ein paar Veränderungen die Beziehung durchaus retten und sogar verbessern.    

1\. Geiz ist eine seelische Beeinträchtigung
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Grundsätzlich etwas gelassener im Umgang mit geizigen Menschen kann man werden, wenn man akzeptiert, dass ihr Geiz fast nie persönlich gemeint ist. "Geiz versteht man in der Psychologie als seelische Beeinträchtigung", sagt Psychologin Wlodarek. Es gibt sogar einen Forscher, der ein Geiz-Gen entdeckt haben will: Richard Ebstein von der Hebräischen Universität in Jerusalem fand heraus, dass Menschen mit dem verkürzten AVPR1a-Gen weniger großzügiger sind als andere.  

Psychologin Wlodarek glaubt eher, dass der Grundstein für Geiz oft in der Kindheit gelegt wird. "Weil wir den Umgang mit Geld meist von unseren Eltern lernen", sagt sie. Wer in finanziell schwierigen Zeiten aufgewachsen ist oder wenn die Eltern verschuldet waren, weil sie einfach nicht mit Geld umgehen konnten, neige man häufiger dazu, vorsichtiger mit Geld umzugehen. Das legt auch [eine Studie](https://newprairiepress.org/jft/vol2/iss1/1/) nahe: Menschen, die in einem Umfeld aufwuchsen, in dem Geld knapp war, denken auch später noch über jede Ausgabe nach. Auch, wenn sie eigentlich über genügend Geld verfügen.     

So war es zum Beispiel bei Helge Rehfelds Vater, der nach dem Zweiten Weltkrieg in großer Armut aufgewachsen war. "Er wuchs in Armut auf und musste hungern", sagt Rehfeld. Wahrscheinlich ist sein Vater also nicht gern so geizig, und das zu verinnerlichen kann im Umgang mit kniepigen Menschen helfen. Rehfeld hat es zumindest etwas dabei geholfen, wieder eine gute Beziehung zu seinem Vater aufzubauen. 

2\. Sich nicht manipulieren lassen
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Wenn ein geiziger Mensch essen geht, ist er darauf bedacht, möglichst wenig Geld auszugeben. Oder "im Idealfall natürlich, eingeladen zu werden", sagt Eva Wlodarek. Umso wichtiger sei es ihrer Meinung nach, dass man sich nicht in diese Richtung manipulieren lasse. Wenn man gemeinsam einkaufen geht und sich eine neue Jacke kauft, sollte man sich dafür kein schlechtes Gewissen machen lassen. Auch dann nicht, wenn der geizige Freund betont, die sei ja viel zu teuer und er wolle sich so was nicht leisten. "Schon gar nicht sollte man der Person dann zum Ausgleich auch etwas kaufen", sagt die Expertin. Besser wäre es, bei sich zu bleiben, und sich für den eigenen Umgang mit Geld nicht zu rechtfertigen. Wer vermeiden möchte, überhaupt in eine solche Situation zu kommen, könnte mit eher geizigen Menschen von Beginn an die passenden Pläne machen: nicht zum Shopping, sondern zu günstigen oder gar kostenlosen Veranstaltungen gehen, zum Beispiel. 

3\. Sich nicht überschwänglich für schlechte Geschenke bedanken
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Wer sich nicht wirklich über ein Geschenk freut, sollte auch nicht so tun, als ob. "Vor allem dann nicht, wenn klar ist, dass die Person sich keine Mühe gemacht und kein Geld dafür ausgegeben hat", sagt Wlodarek. Viele neigen dazu, sich ausfallend herzlich für Blumen vom Discounter zum 50. Geburtstag zu bedanken. "Dabei sind die eine Kränkung und keine schöne Geste", sagt Wlodarek. Das gilt auch, wenn man zum Essen eingeladen wird, es dann aber nur einen Apfel und Leitungswasser gibt.  

Besser sei es, sich für solche Geschenke oder Einladungen ganz unemotional zu bedanken. Das sei zum einen besser für einen selbst. "Schließlich freut man sich ja nicht, und man muss sich auch nicht selbst belügen", sagt die Psychologin. Und es kann auf die geizige Person durchaus Eindruck machen. Schließlich wollen auch Geizige Anerkennung, weshalb sie ja überhaupt erst etwas verschenken oder zu sich einladen.   

4\. Geliehenes Geld immer zurückfordern
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Mal eben zwei oder drei Euro zu verleihen, für ein Parkticket oder einen Kaffee, fällt einem häufig leichter als große Beträge. Auch wenn man weiß, dass die Empfängerin geizig ist, ist man dazu durchaus bereit, "weil kleine Summen leichter zu verschmerzen sind", sagt Eva Wlodarek. Gleichzeitig fühlt man sich unwohler damit, solche Beträge vom anderen wieder zurückzufordern, "weil viele Angst haben, dabei knickerig zu wirken", sagt die Psychologin. Doch gerade bei Geizigen sollte man darauf achten, jeden Euro wieder zu bekommen. Denn in der Regel vergessen geizige Menschen ganz gerne mal, kleine Beträge zurückzuzahlen. Die Verleiher fühlen sich so auf Dauer ausgenutzt. Das belastet die Beziehung unnötig. 

5\. Das Gespräch suchen
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Wenigstens an Worten sollte man im Umgang mit geizigen Menschen nicht sparen. "Besonders, wenn einem an der Person etwas liegt", sagt Eva Wlodarek. In so einem Gespräch darf man ruhig zum Ausdruck bringen, dass man die gemeinsame Freundschaft oder Beziehung als ungleich empfindet. Weil man selbst die andere Person zum Beispiel öfter einlädt oder sich Gedanken um ein passendes und liebevolles Geschenk macht. Man dürfe, so rät es die Psychologin, zudem ruhig auch Konsequenzen ankündigen. Dabei sollte man betonen, dass einem zwar viel an dem anderen Menschen liegt. Aber man sich eben auch eine ausgeglichene Beziehung wünscht. Eine mögliche Konsequenz wäre, anzukündigen, nicht mehr so viel für die andere Person zu tun oder auszugeben, wenn die Großzügigkeit nicht erwidert wird. 

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