Stand: 29.12.2024 23:07 Uhr

**Der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter ist tot. Das teilte das Carter Center am Sonntag mit. Er wurde 100 Jahre alt. Der Demokrat amtierte von 1977 bis 1981 als 39. Präsident der Vereinigten Staaten. Er erhielt 2002 den Friedensnobelpreis.**

Der frühere US-Präsident Jimmy Carter ist im Alter von 100 Jahren gestorben. Carter starb in seinem Haus in Plains im Bundesstaat Georgia, wie seine Stiftung mitteilte. Der Demokrat war von 1977 bis 1981 US-Präsident, 2002 wurde er für sein humanitäres Engagement mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

In den vergangenen Jahren hatte Carter zunehmend mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen und wurde zuletzt palliativ betreut. Zum letzten Mal war er im November vergangenen Jahres beim Begräbnis seiner Ehefrau Rosalynn in der Öffentlichkeit aufgetreten. Im Oktober hatte er seinen 100. Geburtstag gefeiert.

Höhen und Tiefen als Präsident
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Carter gewann 1976 die Präsidentenwahl als wenig bekannter Gouverneur von Georgia gegen den Republikaner Gerald Ford. Sein Versprechen, das amerikanische Volk niemals zu täuschen, fand nach Richard Nixons schändlichen Abgang und der Niederlage der USA in Südostasien Anklang.

Zu seinen Leistungen gehörte die Vermittlung des Friedens im Nahen Osten, für den er den ägyptischen Präsidenten Anwar Sadat und den israelischen Premierminister Menachem Begin 1978 13 Tage lang in Camp David zusammenführte.

Hohe Inflation und der 444 Tage dauernden Geiselnahme in der US-Botschaft im Iran kosteten ihn jedoch sein politisches Kapital. Seine Verhandlungen brachten zwar alle Geiseln lebend nach Hause, als letzten Affront ließ der Iran sie jedoch erst bei der Amtseinführung Ronald Reagans frei, der ihn bei der Wahl 1980 geschlagen hatte.

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### Jimmy Carter wird 100

Farmer, Friedensnobelpreisträger und Harris-Fan
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](https://www.tagesschau.de/multimedia/bilder/carter-156.html)

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Jimmy Carter wurde am 1. Oktober 1924 als erstes Kind von James Earl Carter und dessen Frau Bessie Lillian Gordy Carter in dem kleinen Ort Plains im Bundesstaat Georgia geboren. Er wuchs auf einer Farm außerhalb seiner kleinen Heimatstadt auf - in eher ärmlichen Verhältnissen. Er war der erste aus der Familie, der die Highschool beendete und ein Hochschulstudium absolvierte. 1948 wurde er beim Militär Experte für U-Boote.

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Als sein Vater an Krebs erkrankte und 1953 starb, war die Mutter die treibende Kraft, die ihn zur Rückkehr nach Plains bewegte.

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Carter schied aus der Navy aus, übernahm den elterlichen Betrieb und baute mit seiner Frau ab 1954 ein Geschäft für Saatgut und Düngemittel auf, das sich rasch entwickelte.

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Über seine verschiedenen Vorstands- und Verwaltungsratsposten bei kommunalen Einrichtungen fand er den Einstieg in die Politik. Er wurde Mitglied der Demokratischen Partei und von 1962 bis 1966 Mitglied des Senats von Georgia. Zunächst war er als hinterwäldlerischer Erdnussfarmer verspottet worden, doch 1970 wurde er zum Gouverneur gewählt - nach einem engagiertem Wahlkampf und nicht zuletzt mit den Stimmen der Schwarzen. Im Januar 1971 trat er das neue Amt an.

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Als er sich 1976 entschied, für das Weiße Haus zu kandidieren, räumten ihm die US-Medien nur geringe Chancen gegen bekanntere Gegner ein, darunter mehrere Senatoren. Doch Carters Image als aufrichtiger Baptist traf den Nerv vieler Wählerinnen und Wähler.

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Er wurde zum 39. US-Präsidenten gewählt, nachdem er den Menschen Ehrlichkeit und Kompetenz versprochen hatte nach dem Vietnamkrieg und dem Watergate-Skandal, der seinen Vorgänger Richard Nixon das Amt gekostet hatte. Schon früh machte er sich auch für den Klimaschutz stark. Während seiner Amtszeit von 1977 bis 1981 ließ er eine Photovoltaikanlage auf dem Dach des Weißen Hauses installieren, die sein Nachfolger Ronald Reagan allerdings wieder abbauen ließ.

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Als aufrichtiger Politiker ist sich Carter stets treu geblieben. Dabei gilt seine Präsidentschaft insgesamt als weitgehend gescheitert. Die misslungene Befreiung von 52 US-amerikanischen Geiseln in Teheran markiert den Tiefpunkt seines Ansehens. Auf der Haben-Seite seiner Präsidentschaft steht sein Beitrag zum Friedensabkommen von Camp David zwischen Israel und Ägypten. Auf diesem Bild aus dem Jahr 1978 ist er mit Anwar Sadat zu sehen, dem damaligen Staatspräsidenten Ägyptens.

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Nach Ende seiner Amtszeit gründete er sein "Carter Center", das sich für die Eindämmung von Konflikten, für faire Wahlen und die Bekämpfung tropischer Krankheiten in Entwicklungsländern einsetzt.

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2002 erhielt er den Friedensnobelpreis für seine Bemühungen, internationale Konflikte zu lösen und Demokratie und Menschenrechte zu fördern.

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Bis vor wenigen Jahren lehrte Carter in der Sonntagsschule seiner baptistischen Heimatgemeinde in Plains. Christen seien aufgerufen, "sich in das Leben der Welt einzumischen", schrieb er 2018 in seinem Buch "Glaube: Eine Reise für alle".

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Viele Jahrzehnte lang war Rosalynn Carter an seiner Seite - sie waren 77 Jahre verheiratet. Beide engagierten sich bis ins hohe Alter für Hilfsorganisationen. Rosalynn Carter starb im vergangenen Jahr im Alter von 96 Jahren.

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Das letzte Mal, dass Jimmy Carter in der Öffentlichkeit gesehen wurde, war im November 2023, als er in einem Liegerollstuhl an der Trauerfeier für seine Frau teilnahm. Sichtlich geschwächt und schweigend saß er in der ersten Reihe der Glenn Memorial United Methodist Church in Atlanta.

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Laut seiner Familie war Carter unglaublich erfreut über die mutige Entscheidung seines Freundes Joe Biden, die Fackel an Kamala Harris weiterzureichen. Nach Angaben der Familie will der 100-Jährige bei der Präsidentschaftswahl unbedingt seine Stimme abgeben - für Parteikollegin Harris. Die vorzeitige Stimmabgabe in Georgia beginnt am 15. Oktober.

Vier Jahrzehnte der humanitären Arbeit
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Carter und seine Rosalynn gründeten 1982 gemeinsam das Carter Center und verbrachten die nächsten 40 Jahre damit, als Friedensstifter, Menschenrechtsaktivisten und Vorkämpfer für Demokratie und öffentliche Gesundheit um die Welt zu reisen. Carter, der 2002 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, half, die nuklearen Spannungen in Nord- und Südkorea abzubauen, eine US-Invasion in Haiti abzuwenden und Waffenstillstände in Bosnien und im Sudan auszuhandeln.

Bis 2022 hatte das Zentrum mindestens 113 Wahlen auf der ganzen Welt überwacht. Mit 90 Jahren nahm er noch aktiv am Hausbau der Organisation Habitat for Humanity teil.