30 Jahre Kölsche Filmmatinee im ODEON
„Wir haben gesagt, lass´ uns eigene Filme im Kino im Veedel zeigen.“ So beschreibt Cornel Wachter den Ursprung der Kölschen Filmmatinee.
Mit „eigene“ sind dabei zum einen originär Kölsche Filme oder Filme von oder mit Kölscher Besetzung gemeint. Zum anderen aber auch Filme, die unter eigener Beteiligung zustande kamen – oder der von Kolleg*innen und Künstler*innen im Bekanntenkreis.
ODEON, Partner der ersten Stunde
Seit 1996 zeigen der bildende Künstler Cornel Wachter und der Filmemacher Dieter Oeckl an jedem 2. Sonntag im Monat vormittags einen solchen Film im ODEON. Zu Beginn noch in Kooperation mit der Kölnischen Rundschau, neben anderen Partnern, wie dem, meist lizenzgebenden, WDR. Und natürlich dem ODEON. Alle Filme haben irgendwas mit Köln zu tun: Darsteller, Schauplätze, Regie oder die ganze Story.
Plakat für die erste Filmmatinee, u.a. mit „Ring frei – Peter Müller zum 60.“ (Bild: Judith Levold) Kölsch muss sein
Zu Beginn, mit den ersten Filmen am 1. September ´96, nannte man sich noch Kölnische Filmmatinee. Mit Flyern ging es dann zum Werben auf die Straße.
„Aber da kam die Nachbarin Frau Schmitz und hat gesagt ’nä, esu jeit dat ävver mit, dat muss Kölsche Matinee heißen, dat is Kölsch'“, erinnert sich Wachter. Woraufhin die kleine Namensänderung folgte und bis heute blieb.
Blockbuster von 1984 – die Hölle im Himmel beschert der Filmmatinee volles Haus (Bild: Judith Levold) Lizenzen und Einnahmen
Es sei immer wieder erstaunlich: Manchmal liefen ihnen die Leute die Bude ein, etwa als „Im Himmel ist die Hölle los“ aus 1984 mit Dirk Bach gelaufen sei. Oder auch dann, wenn wie jedes Jahr die Hänneschen Sitzung, die Stunksitzung oder das Divertissementchen vom Vorjahr gezeigt würden. „Und andere Male sind da 27 Leute“, erzählt Cornel Wachter, da zahle man mehr an Lizenzen, als die Einnahmen brächten. Doch in der Summe komme es dann hin.
Trude Herr in ihrem ehemaligen Theater
Früh schon hätten er und Dieter Oeckl damals mal vor der leeren Leinwand gesessen, sich angeschaut und er habe gesagt: „Hörmal, Du denkst doch dasselbe wie ich gerade, oder?“ Beiden sei nämlich klar geworden, dass sie hier die Filme der Theaterlegende Trude Herr zeigen müssten, denn schließlich war das ODEON früher mal ihr Theater gewesen: Das „Theater im Vringsveedel“ eben.
„Und wir haben wirklich alle Theaterstücke von ihr gezeigt und hatten immer volles Haus“, so Wachter. Und verrät, dass sie planten, zum 99. Geburtstag von „Trude“, im Mai nochmal „Scheidung auf Kölsch“ zu zeigen. Und für ihren 100. im nächsten Jahr schon in der Planung seien.
Kommissar zum Geburtstag: Klefisch
Meist sind zu den Filmvorführungen Leute, die am Film mitgewirkt oder interessante Verbindungen zu diesem Film haben, eingeladen, um nach dem Begrüßung-„Verzäll“ von Wachter mit dem Publikum ins Gespräch zu kommen. So auch bei der Jubiläumsvorstellung am kommenden Sonntag, den 12.04. um 11:30h.
Gezeigt wird eine Folge von „Kommissar Klefisch“, einer Krimireihe mit Willy Millowitsch in der titelgebenden Rolle eines pensionierten Kommissars, der das Ermitteln nicht lassen kann. Die Filme wurden zwischen 1989 und 1996 vom WDR produziert, quasi als Geschenk an Willy Millowitsch zu dessen 80. In der gezeigten Folge führte Kaspar Heidelbach Regie.
Dietmar Bär. Hat gute Erinnerungen an seine Arbeit mit Willy Millowitsch an „Kommissar Klefisch“ (Bild: Judith Levold) Arbeiten mit einer Legende
Dietmar Bär spielte in den sechs Folgen den Polizeibeamten Mike Döpper, der an der Seite von Klefisch ermittelte und ihm eigentlich nur „zuarbeiten“ sollte, stattdessen aber sehr eigenwillig und auf eigene Faust vorging. „Ich war damals ja noch fest am Theater in Wuppertal. Willy Millowitsch hatte sein eigenes Theater und konnte auch nur in der Spielpause, und so haben wir das immer im Sommer gedreht“, erzählt Wahlkölner Dietmar Bär bei einem Cappuccino.
„Das war natürlich stark, mit so einer lebenden Legende zu arbeiten.“ Millowitsch habe ihn sofort auf Augenhöhe behandelt, schließlich seien sie beide „Theaterpferde“, wie Bär den großen Kölner Volksschauspieler bezeichnet.
Klefisch – der Beginn einer Beziehung
Man habe manchmal ein wenig Rücksicht nehmen müssen auf dessen hohes Alter, aber er habe mit seinen 80 und dann später auch 85 Jahren noch super funktioniert am Set. „Er hat mich dann auch mal ins Millowitsch Theater eingeladen. Das war eine große Ehre, anschließend in seiner Garderobe zu sein, die wie ein Museum war“, so Bär. Für ihn habe „Klefisch“ nicht nur den langsamen Wechsel vom Theater zum Film markiert, sondern sei auch der Beginn seiner Beziehung zu Köln gewesen.
Am Sonntag im ODEON – Dietmar Bär alias Mike Döpper aus Kommissar Klefisch (Bild: Judith Levold) BRINGS und Martina Gedeck
„Ich freue mich auf Sonntag und bin gespannt, wie das auf der großen Leinwand aussieht und wieviel altes Köln ich da wiederkenne.“ Ohne spoilern zu wollen: Viel, denn sowohl der Großmarkt im Vollbetrieb als auch der Rheinauhafen vor seinem gewaltigen Umbau sind als Motive in der Folge „Tod am Meer“ zu sehen. Und dazu ein Auftritt der BRINGS („Das haben wir morgens im Luxor oder Blue Shell gedreht, total verraucht, aber nur dann konnten wir da drehen“, erzählt Dietmar Bär), Martina Gedeck sowie vieler anderer namhafter Schauspieler*innen.
Die Jubiläumsvorstellung am 12. April ist eine Benefizveranstaltung: Sämtliche Erlöse gehen an den Obdachlosenverein Vringstreff e.V.
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Meine Südstadt.