{"type":"rich","html":"<div style=\"width: 640; height: 426; font-family: sans-serif,arial,freesans;\" ><div id=\"shared_container_1151399761\" class=\"shared_container\"><div id=\"shared_header_1151399761\" class=\"shared_header\"><a href=\"https:\/\/im.allmendenetz.de\/channel\/chris\"><img src=\"https:\/\/im.allmendenetz.de\/photo\/profile\/s\/153\" alt=\"\ud835\udcd2\ud835\udcf1\ud835\udcfb\ud835\udcf2\ud835\udcfc\" height=\"32\" width=\"32\" loading=\"lazy\" \/><\/a><span><a href=\"https:\/\/im.allmendenetz.de\/channel\/chris\">\ud835\udcd2\ud835\udcf1\ud835\udcfb\ud835\udcf2\ud835\udcfc<\/a>  wrote the following  <a href=\"https:\/\/im.allmendenetz.de\/item\/5d664d37-533e-46c6-858d-7d47f6f203ab\">Beitrag <\/a><span class=\"autotime\" title=\"2024-03-20T11:25:37+01:00\">Wed, 20 Mar 2024 11:25:37 +0100<\/span><\/span><\/div><div id=\"reshared-content-1151399761\" class=\"reshared-content\"><strong>Computerweltsch\u00f6pfer Vannevar Bush: Der hei\u00dfe Krieger<\/strong><br \/><hr \/>created: 2024-03-20T11:23:04 (UTC +01:00)<br \/>tags: [Vannevar Bush,Robert Oppenheimer,Raytheon,ISIN_US7551115071,AT&amp;T,ISIN_US00206R1023,Klimax]<br \/>source: <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/computerweltschoepfer-vannevar-bush-der-heisse-krieger-14296603.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/computerweltschoepfer-vannevar-bush-der-heisse-krieger-14296603.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2<\/a><br \/><br \/><h2>author: F.A.Z.<\/h2><br \/><h1>Computerweltsch\u00f6pfer Vannevar Bush: Der hei\u00dfe Krieger<\/h1><br \/><blockquote><h2>Excerpt<\/h2><br \/>Vannevar Bush sah nicht nur Hyperlink und Desktop voraus. Im Denken des Milit\u00e4rstrategen verdichteten sich Atombombe und Computer zu einer t\u00f6dlichen Einheit: dem milit\u00e4risch-industriellen Komplex.<\/blockquote><hr \/>Zweifellos war das Jahr 1945 der H\u00f6hepunkt im Leben von Vannevar Bush, in jedem Fall die Klimax dessen, was man sein \u201e\u00f6ffentliches Wirken\u201c nennen k\u00f6nnte. Im Juli erschien sein Report \u201eScience \u2013 The Endless Frontier\u201c, in dem die Notwendigkeit einer nationalen Forschungspolitik skizziert war, fast gleichzeitig der Aufsatz \u201eAs we may think\u201c im \u201eAtlantic Monthly\u201c. Darin beschrieb Bush eine Memex genannte Apparatur, mit der ein Mensch, vor einem Bildschirm sitzend, sich durch eine gigantische Bibliothek hindurchbewegen, nein, mehr noch: mit der er seine Bewegung durch das Weltgehirn aufzeichnen und der Nachwelt hinterlassen kann. Mochte dies den Amerikanern noch wie Science-Fiction vorgekommen sein, brannte sich ihnen der Name des Verfassers kaum einen Monat sp\u00e4ter unausl\u00f6schlich ein. Denn im aufsteigenden Staubpilz \u00fcber der Stadt Hiroshima l\u00f6ste sich ein, wof\u00fcr Bush als wissenschaftlicher Koordinator des Manhattan Project jahrelang gearbeitet hatte, ohne das Wissen der \u00d6ffentlichkeit, ja selbst seiner eigenen Frau.<br \/><br \/>Was aber ist \u00f6ffentliches Wirken, wenn es mit dem Ged\u00e4chtnis an Hiroshima verschmilzt? Von Robert Oppenheimer, dem Vater der Atombombe, ist der Ausspruch \u00fcberliefert: \u201eJetzt bin ich der Tod geworden, der Zerst\u00f6rer der Welten.\u201c Von Vannevar Bush gibt es kein Reuebekenntnis. Im Gegenteil. Mit seiner schnarrenden Stimme, die grenzenlose Selbstgewissheit und Arroganz verriet, wurde er nicht m\u00fcde, der Welt auch weiterhin Lehren zu erteilen. So mag es naheliegen, im \u201eGeneral der Physik\u201c (wie ihn die \u201eTimes\u201c tituliert hat) eine Art Dr. Seltsam der Technokratie zu sehen: den Mann, in dem sich die Bombe, der Computer, aber auch der milit\u00e4risch-industrielle Komplex zu einer t\u00f6dlichen Einheit verdichten.<br \/><br \/><h3>\u201eWenn du ein Problem nicht l\u00f6sen kannst, vergr\u00f6\u00dfere es.\u201c<\/h3><br \/>Mag sein, dass der Krieg der Vater aller Dinge ist. Ebenso gut aber kann man die Zeugung des Computers als einen Kathedralenbau auffassen, eine gemeinschaftliche Aufgabe, die sich \u00fcber Generationen erstreckt. In diesem Generationenprojekt kommt Vannevar Bush eine besondere Rolle zu, f\u00fchrt er doch jene Metempsychose vor, die aus dem Pionier des neunzehnten Jahrhunderts den Technokraten des zwanzigsten Jahrhunderts macht. Diese Geschichte beginnt mit der Aufl\u00f6sung des Raums, bei der das gelobte Land (die \u201eFrontier\u201c) nicht mehr im Wilden Westen, sondern in jenen geistigen R\u00e4umen verortet wird, die von der Radiophonie, dem Telefon und der Elektrizit\u00e4t aufgeschlossen werden.<br \/><br \/>1890 in Everett bei Boston geboren, als Sohn eines universalistischen Pastors und Freimaurers, kannte Vannevar Bush keine andere Grenze als den Himmel. So entwickelte das kr\u00e4nkliche Kind den Drang, die Welt mit neuartigen Gadgets zu begl\u00fccken. Da der Vater die Familienersparnisse f\u00fcr die Erziehung der beiden \u00e4lteren Schwestern aufgebraucht hatte, war der aufgeweckte Knabe schon fr\u00fch mit der Notwendigkeit konfrontiert, die Karriere in die eigenen H\u00e4nde zu nehmen. Da sich die Mathematik unter seinen geschickten H\u00e4nden stets in ein Gebrauchsding verwandelte, meldete der zweiundzwanzig Jahre alte Selfmademan ein Patent f\u00fcr ein Ger\u00e4t zur Gel\u00e4ndeprofilerfassung an. Nach Erfahrungen bei General Electrics und einer Beteiligung beim Radiopionier AMRAD gr\u00fcndete er im Alter von 32 Jahren eine Firma, die der Pfarrerssohn passenderweise g\u00f6ttlicher Strahl (<a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/thema\/raytheon\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Raytheon<\/a>) taufte.<br \/><br \/>Vertrieb die Firma anfangs ein Zusatzger\u00e4t, mit dem batteriebetriebene Radios sehr viel kosteng\u00fcnstiger genutzt werden konnten, musste sie sich, mit wachsendem Erfolg, der Boykottversuche gr\u00f6\u00dferer Hersteller erwehren. Bush reagierte nach der Maxime: \u201eWenn du ein Problem nicht l\u00f6sen kannst, vergr\u00f6\u00dfere es.\u201c Folglich beschr\u00e4nkte sich die Firma nicht mehr auf die Lieferung eines Zubeh\u00f6rteils, sondern attackierte die Gegner dadurch, dass sie selbst eines der ersten Transistorradios entwickelte.<br \/><br \/><h3>Bahnbrechende Projekte im Mantel der Arroganz<\/h3><br \/>Die fr\u00fche finanzielle Unabh\u00e4ngigkeit verst\u00e4rkte Bushs ohnehin h\u00f6chst ausgepr\u00e4gte Arroganz. Denn nun sah er gar keinen Grund mehr, seine h\u00f6chst absch\u00e4tzigen Meinungen \u00fcber andere Menschen hinter freundlichen Floskeln zu verbergen. Das Einzige, was ihm imponierte, war die bessere L\u00f6sung, eine Haltung, die sich sp\u00e4ter zur \u00dcberzeugung auswachsen sollte, gleichsam einer nat\u00fcrlichen Geistesaristokratie anzugeh\u00f6ren. Da Bushs finanzielle Sorgen gel\u00f6st waren, zeigte sich, dass seine intellektuelle Neugierde noch gr\u00f6\u00dfer war als das pekuni\u00e4re Interesse. So begann er seit 1927 an einem analogen Computer zu arbeiten, dessen Aufgabe in der L\u00f6sung von Differentialgleichungen bestand. Wie jede seiner Erfindungen antwortete auch dies auf eine Notwendigkeit. Denn baut man eine Br\u00fccke und m\u00f6chte wissen, wie sich die Stahlkonstruktion bei bestimmten Windbedingungen verh\u00e4lt, muss man Differentialgleichungen l\u00f6sen \u2013 was ohne Hilfsmittel eine extrem zeitaufwendige Aufgabe ist. Da Bushs Arbeiten von Erfolg gekr\u00f6nt waren, wurde er zum weltweit f\u00fchrenden Pionier der analogen Computer. Die Maschine, die er im Jahr 1931 entwarf, hatte monstr\u00f6se Ausma\u00dfe. Sie wog 100 Tonnen, bestand aus 2000 elektrischen R\u00f6hren, 150 Motoren und 200 Meilen elektrischem Draht.<br \/><br \/>Mit der Ernennung Bushs zum Dekan der Ingenieurwissenschaften am Massachusetts Institute of Technology verlagerte sich sein T\u00e4tigkeitsfeld von pers\u00f6nlichen zu gemeinschaftlichen Projekten. Seiner gef\u00fcrchteten Arroganz und seiner No-Bullshit-Attit\u00fcde zum Trotz, war er seinen Studenten ein gro\u00dfartiger Helfer: ein geduldiger Beobachter, der f\u00e4hig war, eine Sache auf ihren Kern hin zu durchleuchten. So wurden unter seiner \u00c4gide bahnbrechende Projekte bef\u00f6rdert, von der aufkommenden Radartechnik, kryptologischen Maschinen, bis hin zu ersten Solarkollektoren. Aus der Perspektive des Wissenschaftsmanagers stand ihm, als er Mitte der drei\u00dfiger Jahre mit der Miniaturfotografie (den sogenannten \u201eMikrofiches\u201c) in Ber\u00fchrung kam, sogleich jene kommunikative Apparatur vor Augen, die sich in seiner Phantasie zu einer Weltintelligenz, dem Memex-Apparat, auswachsen sollte.<br \/><br \/><h3>Die Idee des Arbeits- und Bildungsspeichers<\/h3><br \/>Gleichwohl blieb es nicht bei der Vision. 1937 entstand mit dem \u201eRapid Selector\u201c ein Prototyp, der es erm\u00f6glichte, in einer Mikrofilmbibliothek die gesuchte Information aufzufinden. Wichtiger aber war das intellektuelle Paradigma. Wenn das Weltwissen auf einem Schreibtisch abgelegt werden kann (zudem kopierbar ist), ist es nur logisch, dass man nicht nur das Suchen und Finden von Informationen, sondern auch die Art der Verkn\u00fcpfung zum Gegenstand des Wissens macht. Folglich sind nicht nur die Dokumente, sondern auch die Pfade von Bedeutung, die von einem Gegenstand zum n\u00e4chsten f\u00fchren. Wenn diese Vorwegnahme des Hyperlinks noch in den achtziger und neunziger Jahren begeisterte Anh\u00e4nger finden sollte, so deswegen, weil Vannevar Bushs Memex der Schrift ein Ged\u00e4chtnis verleiht, ebenso wie es die Bibliothek zum Echo- und Erinnerungsraum ihrer Benutzung macht. In der Memex-Apparatur tritt die Wissenschaft als Kommunikationsraum hervor, der sich nicht im Ged\u00e4chtnistheater und in der Performance ersch\u00f6pft, sondern immer wieder neu erlebt werden kann: ein Arbeits- und Bildungsspeicher.<br \/><br \/>Freilich: der Stellenwert, den die Wissenschaften in Gesellschaft und Politik einnahmen, war mehr als beklagenswert. Mochte die Technikblindheit unter \u00f6konomischen Gesichtspunkten schon beklagenswert genug sein, war sie vor dem Prospekt des nahenden Krieges nachgerade bedrohlich. Schon der Erste Weltkrieg hatte Bush gelehrt, \u201ewie man auf keinen Fall einen Krieg f\u00fchren solle\u201c. Damals hatte der junge Mathematiker zusammen mit dem Physiker und sp\u00e4teren Nobelpreistr\u00e4ger Robert Milikan an einem Ger\u00e4t zur Ortung deutscher U-Boote gearbeitet. Zwar war es ihm gelungen, ein lauff\u00e4higes Ger\u00e4t zu entwickeln, dennoch war es nie zum Einsatz gekommen.<br \/><br \/><h3>Aufstieg zum Zar der amerikanischen Milit\u00e4rtechnologie<\/h3><br \/>Und warum? Weil der junge Entrepreneur nicht zu den Uniformtr\u00e4gern geh\u00f6rt und keine Regierungsgelder angenommen hatte. Trotz des nahenden <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/zweiter-weltkrieg\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Zweiten Weltkrieges<\/a> hatte sich an der Ignoranz der Machthaber nichts ver\u00e4ndert. Academia war ein friedliches Eiland - und die amerikanische R\u00fcstungsindustrie, im Vergleich zum milit\u00e4risch-industriell-akademischen Komplex NS-Deutschlands, hoffnungslos r\u00fcckst\u00e4ndig. Bush hingegen, der die technischen Entwicklungen im Feindesland zur Kenntnis nahm, war sich dar\u00fcber im Klaren, dass nicht \u201eMenschenmaterial\u201c, sondern die Maschinen der Wissenschaft kriegsentscheidend sein w\u00fcrden. Und weil er seinen Platz nicht mehr an der Spitze einer Universit\u00e4t, sondern im Einsatz f\u00fcrs Vaterland sah, kam es zu jener neuerlichen Metamorphose, bei der sich der Wissenschaftsmanager zum hei\u00dfen Krieger, ja zur Gr\u00fcndungsfigur des milit\u00e4risch-industriellen Komplexes wandelte.<br \/><br \/>1939 zum Pr\u00e4sidenten der Carnegie Institution of Washington gew\u00e4hlt, tauchte der Mann, der in seinem Leben kaum \u00fcber Boston hinausgekommen war, nun in das Haifischbecken des Washingtoner Politikbetriebs ein. Als erste Ma\u00dfnahme verwandelte Bush das Institut in eine schlagkr\u00e4ftige Batterie, die ausschlie\u00dflich Hard-Science-Projekte unterst\u00fctzte. Da er \u00fcber beste Kontakte in die Wissenschaft, aber auch zu Gro\u00dfunternehmen wie AT&T oder Bell Labs verf\u00fcgte, bereitete ihm dies keine Probleme. Weit schwieriger indes war es, eine provinziell denkende Politikerschar (\u201elanghaarige Idealisten und Gutmenschen\u201c) davon zu \u00fcberzeugen, den Kriegsschauplatz nicht auf dem Schlachtfeld, sondern in den Labors und den K\u00f6pfen h\u00f6chst fragw\u00fcrdiger Eggheads zu verorten. Dass es einem Zivilisten und politischen Nobody gelingen sollte, binnen kurzem zum \u201eZaren der amerikanischen Milit\u00e4rtechnologie\u201c aufzusteigen \u2013 einem Zaren, der \u00fcber ein riesiges Forschungsbudget verf\u00fcgte und von dem es hie\u00df, er \u201ek\u00f6nne den Krieg gewinnen oder verlieren\u201c \u2013, war eigentlich ein Ding der Unm\u00f6glichkeit. Dennoch dauerte es keine zwei Jahre, bis Bush auch Washington f\u00fcr sich erobert hatte.<br \/><br \/><h3>Die Geburt des milit\u00e4risch-industriellen Komplex<\/h3><br \/>Dass ihm dies gelang, war Resultat eines pers\u00f6nlichen Blitzkrieges. Anstatt sich mit zweitklassigen Apparatschiks aufzuhalten, kam es, \u00fcber die Vermittlung von Frederic Delano, dem Onkel von Theodore Roosevelt, zu einem 15-Minuten-Gespr\u00e4ch mit dem Pr\u00e4sidenten. Dabei legte Bush den Plan einer nationalen Forschungsagentur vor. Roosevelt, der seine Besorgnis \u00fcber die milit\u00e4rische R\u00fcckst\u00e4ndigkeit der Vereinigten Staaten teilte, bejahte seinen Plan auf einer Serviette: \u201eOK FDR\u201c. Damit war Vannevar Bush zum Leiter des Office of Research and Development bef\u00f6rdert, einer Ein-Mann-Armee, die dem Pr\u00e4sidenten direkt unterstellt und keiner weiteren Beh\u00f6rde rechenschaftspflichtig war.<br \/><br \/>F\u00fcr die Milit\u00e4rs war dieser knorrige Wissenschaftskrieger eine h\u00f6chst befremdliche Erscheinung. Dass er sich zur Entspannung auf dem Potomac-Bogensch\u00fctzen Club vergn\u00fcgte und mit der Pfeil-und-Bogen-Technik des vierzehnten Jahrhunderts Erholung suchte, war ebenso sonderbar wie der Umstand, dass er seine Vereinskollegen sogleich mit einem verbesserten Bogen begl\u00fcckte. Wovon man allerdings nicht absehen konnte, waren Bushs Resultate. Das erste Gebiet, auf dem er sein K\u00f6nnen eindrucksvoll bewies, war der Radar. Waren die deutschen U-Boote zun\u00e4chst so \u00fcberlegen, dass sie nach dem Kriegseintritt der Amerikaner binnen Monatsfrist gleich 107 Schiffe versenkten, gelang es dem von Bush beauftragten Labor, die Verluste binnen weniger Monate auf ein Zehntel zu begrenzen.<br \/><br \/>Die zweite, kriegsentscheidende Innovation war der funkgesteuerte Abstandsz\u00fcnder. Mit diesem Ger\u00e4t lie\u00df sich die Sprengkraft der amerikanischen Bomben steigern, und zwar dadurch, dass die Bombe mittels eines eingebauten Sensors immer dann gez\u00fcndet wurde, wenn ihre Wirkung am verheerendsten war. Mit dieser Wunderwaffe hatten die Amerikaner dem deutschen Marschflugk\u00f6rper V1 etwas entgegenzusetzen. Zum gro\u00dfen Erstaunen der Milit\u00e4rs waren die Beitr\u00e4ge der Wissenschaftler sehr viel wirksamer als gedacht. Auch der begriffsstutzigste Oberst sah nun ein, dass die Aktivit\u00e4ten Vannevar Bushs einen kriegsentscheidenden Faktor darstellten. Einen Faktor zudem, der auf mirakul\u00f6se Weise die lange Depression der drei\u00dfiger Jahre beendete. So kam es zur Geburt des milit\u00e4risch-industriellen Komplexes.<br \/><br \/>Weil alles, was Bush vorschlug, realisiert wurde, war es auch keine Frage, dass man nur ihn (gemeinsam mit dem General Leslie Groves) mit dem hochgeheimen Manhattan Project betrauen konnte. Obwohl Bush dem Uran-Kopfschmerz nicht sonderlich wohlwollend gegen\u00fcberstand, bewies er auch hier jene gnadenlose Effizienz, die allein an konkreten und kriegsentscheidenden L\u00f6sungen interessiert war. Weil er trotz allem ein Mann der Wissenschaft blieb, gelang ihm das Kunstst\u00fcck, seine Wissenschaftler-Armee vor den Interventionen der Milit\u00e4rs zu bewahren, um den Preis allerdings, dass nun sie zur Verk\u00f6rperung jenes Weltgehirns wurden, zu jener Macht, deren Geistesblitz darin bestand, Hiroshima dem Erdboden gleichzumachen.<br \/><br \/>Nimmt man das Verm\u00e4chtnis des Vannevar Bush, l\u00e4sst sich sagen, dass die Psychologie des Dr. Strangelove so wenig zutrifft wie die Behauptung, dass der Computer ein Produkt des Zweiten Weltkrieges ist. Stattdessen begegnet man einer Reihe von Paradoxa: Zwar war Vannevar Bush der Stifter des \u201emilit\u00e4risch-industriellen Komplexes\u201c, aber ebenso kann man ihn als den Begr\u00fcnder jener Weltintelligenz auffassen, die sich im Hypertext oder in der Open-Source-Bewegung artikuliert. Eine Mischung aus idealistischem Denker und kreativem Zerst\u00f6rer. Ein Geistesaristokrat, der seinen Mangel an Geschichtsbewusstsein mit einer Begeisterung f\u00fcr die Sonne und die Energieffizienz kompensierte. Ein Anti-Etatist in Diensten des Staates, allein dem Individuum verpflichtet und jenem g\u00f6ttlichen Strahl, der nicht mehr in der Religion, sondern in den K\u00f6pfen der Menschen entsteht: die W\u00fcste Hiroshimas oder die Verhei\u00dfung einer besseren Welt.<\/div><\/div><br \/><\/div>","width":640,"height":426}