2025 hinterließ die schwache Konjunktur deutliche Spuren am Düsseldorfer Arbeitsmarkt. Trotz vergleichsweise moderater Arbeitslosenquote verschlechterten sich die Chancen für Arbeitssuchende spürbar doch es gibt auch Hoffnungsschimmer.
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Düsseldorfer Arbeitsmarkt in 2025 – Partner ziehen gemeinsam Bilanz: Mit Qualifizierung und Ausbildung der Transformation am Arbeitsmarkt begegnenIn 2025 hat die konjunkturelle Situation deutliche Spuren am Arbeitsmarkt hinterlassen. Doch im Vergleich zu vielen anderen Großstädten in NRW lag die Arbeitslosenquote mit 8,0 Prozent im Jahresdurchschnitt eher im günstigeren Bereich. In 2025 war die Anzahl der Arbeitslosen so hoch wie in den letzten zehn Jahren nicht. Die Meldung der offenen Vakanzen war in 2025 rekordverdächtig niedrig, so dass sich die Chancen für arbeitslose Menschen in Düsseldorf zunehmend verschlechterten. Trotz strauchelnder Wirtschaftslage erkennen die Agentur für Arbeit und ihre Partner auch Lichtblicke am Düsseldorfer Arbeitsmarkt. In Düsseldorf stieg die Arbeitslosigkeit im Jahresdurchschnitt in 2025 auf 28.734 Frauen und Männer. Innerhalb der letzten zehn Jahre war das ein Höchstwert. Im Vergleich zum Vorjahr waren somit durchschnittlich 1.358 Personen mehr bei der Agentur für Arbeit und beim Jobcenter Düsseldorf arbeitslos gemeldet.
Im Laufe des Jahres meldeten sich bei der Agentur für Arbeit über 19.000 Menschen aus einer Erwerbstätigkeit heraus arbeitslos. „So viele Freisetzungen gab es zuletzt im Corona Jahr 2020“, erklärt Birgitta Kubsch-von Harten, Vorsitzende der Geschäftsführung. „Die gute Nachricht aber ist, über 13.000 Menschen aus der Arbeitslosenversicherung gelang es 2025 eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen. Das zeigt, dass der Arbeitsmarkt weiterhin auf einem hohen Niveau aufnahmefähig ist. Vor zehn Jahren waren es noch 2.000 Job aufnahmen weniger.“ Im Jobcenter zeige sich jedoch, dass die Arbeitsaufnahmen langfristig rückläufig seien. Die Jobchancen für hilfebedürftigere Menschen haben sich in unserer Stadt im Zehnjahresvergleich eher verschlechtert.
Auch an der verhaltenen Meldung offener Vakanzen der Düsseldorfer Unternehmen wird deutlich, dass die Chancen für arbeitslose Menschen sich verschlechtert haben: In 2025 wurden 12.013 offene Stellen dem gemeinsamen Arbeitgeber-Service der Arbeitsagentur und des Jobcenter gemeldet. Das war der zweitniedrigste Stellenzugang innerhalb der letzten zehn Jahre und ein Rückgang von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Die Beschäftigung entwickelte sich über sehr lange Zeit in Düsseldorf hervorragend, war jedoch bei der aktuellsten verfügbaren Auswertung mit 0,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zuletzt rückläufig. 460.155 Sozialversicherte Beschäftigte gibt es aktuell in Düsseldorf, 866 weniger als im Vorjahresmonat. (Stichtag Ende Juni 2025, Datenstand Dez. 2025)
Nicht alle Branchen waren gleichermaßen betroffen. Das stärkste Wachstum war im Gesundheitswesen und im Sozialwesen, während das verarbeitende Gewerbe, die Zeitarbeit und der Handel schrumpften. „Dies zeigt, dass wir uns nicht nur in einer konjunkturellen Schwächephase, sondern auch in einem fortschreitenden wirtschaftlichen Strukturwandel befinden, der ganze Branchen betrifft“, sagt Kubsch-von Harten.
Das Engagement in Qualifizierung sei ein zentraler Hebel für einen zukunftssicheren Düsseldorfer Arbeitsmarkt. Dabei sei es wichtig, dass Arbeitgebende, Arbeitnehmende und deren Verbände sowie wir als Jobcenter und Arbeitsagentur die Transformation des Arbeitsmarktes als Chance verstehen und die Veränderung aktiv gestalten. Die Voraussetzungen dafür seien in Düsseldorf immer noch gut.
Michael Grütering, Hauptgeschäftsführer der Unternehmerschaft Düsseldorf und der Düsseldorfer Arbeitgeberverbände, hebt hervor: „Der Wirtschaftsstandort in Düsseldorf zeichnet sich durch einen starken Branchenmix aus. Junge Menschen kommen aus der gesamten Umgebung, um in Düsseldorf ihre Karriere mit einer Ausbildung oder einem Studium zu beginnen. Der Standort ist zudem für internationale Fachkräfte attraktiv.“
Sigrid Wolf, DGB-Regionsgeschäftsführerin Düsseldorf-Bergisch Land, hebt die Vielfältigkeit des Düsseldorfer Arbeitsmarktes hervor: „Wie in ganz Deutschland leidet der Arbeitsmarkt in Düsseldorf unter der schwachen wirtschaftlichen Entwicklung. Bisher zeigt sich der Arbeitsmarkt noch robust, weil es in Teilbereichen einen Fachkräftemangel gibt. Hierzu zählen das Gesundheits- und Sozialwesen, dass Baugewerbe und das Handwerk. Der Bedarf an Fachkräften ist hier ungebrochen. Um das Fachkräftepotenzial in Düsseldorf über Qualifizierung und Weiterbildung zu heben, hat die Arbeitsagentur einen breit aufgestellten Werkzeugkasten. Deshalb ist die Erhöhung des Budgets für diesen Bereich im Jahr 2026 ein wichtiges Signal, um Brücken in den Arbeitsmarkt der Zukunft zu bauen. Auch die Verlängerung der Bezugsdauer des Kurzarbeitergeldes durch die Bundesregierung ist hilfreich, um den Arbeitsmarkt zu stabilisieren. In den nächsten Jahren gehen auch in unserer Stadt tausende von Fachkräften in den Ruhestand. Der Appell an die Unternehmen in Düsseldorf: Stellen sie trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage Ausbildungsplätze zur Verfügung. Geben sie jungen Menschen eine Chance, auch wenn sie nicht direkt alle Anforderungen erfüllen. Die Arbeitsagentur kann sie hierbei unterstützen. Wer jetzt nicht alles für die Ausbildung des Nachwuchses tut, darf sich nicht über einen flächendeckenden Fachkräftemangel in Zukunft beklagen."
Christoph Tatura, Geschäftsführer operativ der Agentur für Arbeit Düsseldorf, erklärt: „Wenn ein Düsseldorfer Arbeitgeber eine Massenentlassung anzeigt, springen wir als Agentur für Arbeit sofort ein. Wir beraten die betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und gehen aktiv auf die Unternehmen in unserer Region zu, die Personal suchen.“ Bei vielen Betroffenen entstünde somit oftmals gar nicht erst Arbeitslosigkeit. „Wer sich weiterbildet und sich offen für Veränderungen zeigt, hat weiterhin gute Chancen am Arbeitsmarkt. Wir als Agentur für Arbeit unterstützen mit notwenigen Qualifizierungen.“
Für 2026 erwarten die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute eine moderate konjunkturelle Belebung. „Sollte die Wirtschaft wieder an Dynamik gewinnen, dürfte sich dies mit zeitlicher Verzögerung auch am Arbeitsmarkt in Düsseldorf niederschlagen“, erklärt Kubsch-von Harten. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) geht für 2026 in Düsseldorf bei der Arbeitslosigkeit von einem Minus von 1,0 Prozent und einem leichten Wachstum bei der Beschäftigung von +0,3 Prozent aus. (IAB, Regionale Arbeitsmarktprognosen, Sep. 2025)