Bereits 2011 veröffentlichte der kanadische Journalist Doug Saunders das Buch „Arrival City: How the largest migration in history is reshaping our world“. Seine These: Die neue „Völkerwanderung“ ist nicht primär […]
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(erfolgreiche) Ankunftsquartiere als TeilhabemaschinenBereits 2011 veröffentlichte der kanadische Journalist Doug Saunders das Buch „Arrival City: How the largest migration in history is reshaping our world“. Seine These: Die neue „Völkerwanderung“ ist nicht primär eine Wanderung vom globalen Süden in den globalen Norden, sondern eine Bewegung der Menschen vom Land in die Sädte. Das Gros der Migranten weltweit, so Saunders, zieht nicht in andere Länder oder auf andere Kontinente, sondern in die großen Städte der Herkunftsländer. Sie stammen aus den selben, meist strukturschwachen, ländlichen Regionen, wie die Wenigen, die die nötigen Kontakte und das Reisekapital haben, um in die reichen Städte des globalen Nordens auszuwandern. Hier wie dort landen die „Neuankömmlinge“ zumeist in Stadtvierteln, die durch einen hohen Anteil von Neuankömmlingen geprägt sind. Was wie eine tautologische Selbstverständlichkeit klingt, ist tatsächlich der Anfang einer neuen Sichtweise – denn es verschiebt den Fokus vom Zustand solcher Quartiere als räumliche Entitäten mit statistisch erfassten, festen Eigenschaften hin zu sozialen Gebilden, die, mit jeder Neuankunft und jedem Weiterziehen, oft erstaunliches leisten. In Städten auf allen fünf Kontinenten ist Doug Saunders zwei Leitfragen nachgegangen: „Was sind die Leistungen, die ein Ankunftsstadtteil zu „vollbringen“ hat, damit man ihn als erfolgreich (oder gescheitert) bezeichnen kann?“ und „Welche Bedingungen hat er seinen Bewohnern zu bieten, um diese Leistung zu vollbringen?“
Unter dem Titel „Was Ankunftsquartiere stark macht“ hat die ILS Research gGmbH aus Dortmund, mit Förderung der Mercator-Stiftung, nun eine Broschüre herausgebracht, die soziale und kulturelle (leider keine wirtschaftlichen) Projekte und Programme in elf deutschen Städten und Stadtteilen vorstellt, für die Saunders Konzept der Arrival City die Grundlage bildete. Auch wenn der Bezug zu Saunders Arbeit in der Broschüre (verwunderlicherweise) nicht hergestellt wird: Wer sich die spannende, aber sehr umfangreiche Lektüre von Saunders Werk sparen, aber dennoch die wichtigsten Erkenntnisse mitnehmen möchte, dem sei die Broschüre ans Herz gelegt, deren besonderer Wert in der Anwendung und „Prüfung“ von Saunders Theorien in der deutschen Praxis liegt. Eine zentrale Aussage lautet hier wie dort: „Erfolge in der Arbeit vor Ort bleiben manchmal verborgen – etwa, wenn sozialer Aufstieg mit dem Wegzug verbunden ist und sich dadurch nicht in einer Verbesserung der Sozialdaten eines Ankunftsquartiers niederschlägt.“
Auch wenn das Kölner Stadtgebiet in der Studie nicht vertreten war: dass die Erkenntnisse die Betrachtung von Kölner Stadtteilen wie z.B. Kalk oder Chorweiler nachhaltig verändern könnten, ist anzunehmen:
https://www.ils-forschung.de/files_publikationen/pdfs/BROSCH%C3%9CRE_Projekt%20Ankunftsquartiere_ONLINE.pdfEine ausführlichere Besprechung von Doug Saunders „Arrival City“ findet sich hier:
https://www.bpb.de/themen/stadt-land/stadt-und-gesellschaft/216878/arrival-cities-ankommen-in-deutschlandAuf die Broschüre aufmerksam wurden wir übrigens durch den empfehlenswerten Newsletter „Wegweiser Bürgergesellschaft“:
https://www.buergergesellschaft.de