Dieser Beitrag befasst sich mit der Frage, ob man Leuten kategorisch davon abraten sollte, Sex zu kaufen. Linke bejahen dies häufig mit der Begründung, Prostitution sei eine besonders elendige Form der Arbeit. Doch dieses Argument ist unschlüssig.
In ihrem Buch
Revolting Prostitutes: The Fight for Sex Workers' Rights sprechen sich die kommunistischen Prostituierten Juno Mac und Molly Smith für die vollständige (d.h. beidseitige) Entkriminalisierung der Prostitution aus. Die Begründung ist so simpel wie bestechend: Man hilft marginalisierten Leuten nicht, indem man ihre Erwerbsquellen zerstört oder noch weiter marginalisiert.
Vorab: Wir behandeln hier jene Prostitution, die auf dieselbe Weise „freiwillig“ ist wie jede andere Arbeit im Kapitalismus. Sie wird betrieben, weil sie aus Sicht der arbeitenden Person unter den gegebenen Umständen die beste verfügbare Option darstellt. Die Alternative wäre beispielsweise Arbeitslosigkeit und damit einhergehende Wohnungslosigkeit. Man kann einer Person nicht helfen, indem man ihr ihre beste Option auch noch nimmt, sondern nur, indem man ihr bessere Optionen eröffnet.
Verdeutlichen wir dies anhand einer Analogie: Stell dir vor, du engagierst mich als private Putzkraft. Ich putze dein Klo und ich mache diesen Job wie die überwältigende Mehrheit aller Arbeiter:innen ungern, aber ich tue es lieber, als zu verhungern. Nun kommt ein Aktivist daher, der meinen Job für so elendig hält, dass er eines anderen Umgangs bedarf als alle anderen Jobs. Dieser Aktivist probiert dich dazu zu überreden,
mich aus Solidarität zu
mir zu boykottieren. Darüber hinaus möchte er dein Anheuern meiner Dienste moralisch verurteilen, tabuisieren und teilweise sogar kriminalisieren. Mir ist dadurch nicht geholfen; im Gegenteil: Mein Kühlschrank bleibt leer.
Jeder Klient und jeder Arbeitgeber übt – vermittelt durch ökonomische Zwänge – Macht über Arbeiter:innen aus. In dem Sinne sind wir alle "Sklaven". Prostituierte stellen lediglich den Sonderfall des "Sex-Sklaven" dar. In manchen feministischen Milieus wird der Freier im Gegensatz zu allen anderen sprichwörtlichen Sklaventreibern dezidiert als "Täter" wahrgenommen. Diese moralistische Sichtweise verzerrt unser sonst strukturelles Verständnis der Arbeit. Gott weiß, dass die bürgerliche Gesellschaft es einem nicht leicht macht, strukturell zu denken, aber wenn wir unsere Kapazitäten nicht auf nutzlose oder gar kontraproduktive Aktionen verschwenden wollen, müssen wir diese Fähigkeit vorab erlernen und vertiefen.